„Ich war jetzt dreimal alleine in der Bar und einmal auf so einem Single-Abend. Das ist einfach nicht meine Welt.“ Den Satz höre ich fast jede Woche, und meistens kommt gleich danach die Frage, was denn dann noch übrig bleibt, wenn Clubs anstrengend sind und die Apps seit zwei Jahren nichts liefern außer Matches, die nach vier Nachrichten verstummen. Wenn ich dann sage, dass er im Tanzkurs Frauen kennenlernen kann, ernte ich meistens ein müdes Lächeln.
Es bleibt eine Menge übrig. Ab Oktober sogar mehr als im Sommer. Wenn es früh dunkel wird, füllen sich Volkshochschulen, Tanzschulen und Kochstudios mit Menschen, die etwas gegen die leeren Abende tun wollen. Der Rat klingt nach Ratgeber von 1998, er funktioniert aber besser als fast alles, was du sonst versuchst, und zwar aus Gründen, die mit Tanzen wenig zu tun haben.
Der Haken liegt woanders, als die meisten Männer denken. Nicht beim Finden. Beim Weitergehen.
Warum du im Tanzkurs Frauen kennenlernen kannst: Wiederholung, gemeinsame Aufgabe, Partnerwechsel
Drei Dinge macht ein Kurs, die eine Bar nicht kann.
Er wiederholt sich. Ihr seht euch acht oder zehn Wochen lang jeden Dienstag. Das nimmt jedem einzelnen Abend die Bedeutung. Du musst heute nichts erreichen, weil nächste Woche wieder Dienstag ist. Der Druck, heute etwas erreichen zu müssen, macht Männer in Clubs zu einer schlechteren Version ihrer selbst.
Er gibt euch eine Aufgabe. Ihr redet nicht über euch, ihr redet über den Schritt, der nicht klappt, oder über die Sauce, die gerinnt. Ein gemeinsames Thema, das keiner von euch erfinden muss.
Er wechselt die Partner. In Paartanzkursen ist das eingebaut: Nach jeder Übung rotiert der Kreis. Du sprichst also mit acht Frauen, ohne dich für eine entscheiden zu müssen, und keine davon fragt sich, warum du ausgerechnet zu ihr gekommen bist. Der Rahmen erlaubt Kontakt. Du musst ihn nicht selbst herstellen. Das ist derselbe Mechanismus wie im Studio, nur dass er im Kurs viel weniger heikel ist, weil das Miteinander dort erwünscht ist statt geduldet.
Welcher Kurs zu welchem Typ passt
Die Frage ist nicht, wo die meisten Frauen sind. Die Frage ist, wo du zwei Stunden verbringst, ohne die Uhr zu checken.
- Paartanz (Discofox, Salsa, Standard): höchster Frauenanteil, eingebauter Partnerwechsel, Körperkontakt im geregelten Rahmen. Anstrengend für Männer, die sich ungern ungeschickt fühlen, und deshalb lohnend.
- Kochkurs: lockerste Stimmung, Wein am Herd, ihr sitzt am Ende gemeinsam am Tisch. Kein Partnerwechsel, dafür ein natürlicher Abschluss mit Gespräch.
- Sprachkurs: läuft über Monate, Partnerarbeit in fast jeder Stunde, viel persönliches Erzählen. Der Slow Burner unter den Kursen.
- Improtheater, Chor, Fotografie: kleine Gruppen, viele Leute, die offen für Neues sind.
- Klettern, Yoga, Keramik: gemischt bis frauenlastig, aber oft still. Für ruhige Männer besser als jeder Discofox.
Nimm den Kurs, den du auch belegen würdest, wenn dort nur Männer säßen. Kein moralischer Rat, ein praktischer: Interesse kannst du nicht spielen, und acht Wochen sind lang.
Die erste Stunde: nur ankommen, nichts wollen
Neulich saß ein Mann bei mir, Mitte dreißig, Ingenieur, der sich für einen Salsakurs angemeldet hatte und nach dem ersten Abend schon wieder aussteigen wollte. Er hatte den ganzen Abend damit verbracht herauszufinden, welche der Frauen Single ist. Am Ende wusste er das ungefähr, konnte aber keinen einzigen Namen nennen. Ich habe ihn gebeten, in Woche zwei genau eine Sache zu machen: Namen merken. Sonst nichts. In Woche vier hatte er zwei Leute, mit denen er nach dem Kurs noch fünf Minuten vor der Tür stand.
Die erste Stunde ist zum Ankommen da. Alle sind neu und ein bisschen unsicher. Wenn du in diesem Zustand anfängst zu selektieren, spüren die Leute das. Nicht bewusst, aber sie merken, dass da jemand auf Suche ist statt einfach dabei.
Wie aus Kurspartnern Gesprächspartner werden
Der Übergang passiert nicht während der Übung. Er passiert in den Lücken: vor dem Start, in der Pause, beim Anziehen der Jacke.
Sag etwas über die Situation, nicht über sie. „Ich habe das Gefühl, mein linker Fuß gehört jemand anderem“ funktioniert, weil es wahr ist und weil sie zustimmen kann, ohne sich zu positionieren. Komplimente über ihr Aussehen stellen im Kurs sofort die Frage in den Raum, ob du wirklich wegen des Tanzens da bist.
Merk dir eine Kleinigkeit und komm nächste Woche darauf zurück. Sie hat erzählt, dass sie den Kurs von ihrer Schwester geschenkt bekommen hat. Nächsten Dienstag: „Und, hat die Schwester schon nachgefragt, wie es läuft?“ Die Frage ist mehr wert als zwanzig Minuten Smalltalk. Sie sagt: Ich habe zugehört.
Bleib nach dem Kurs zehn Minuten stehen. Der Moment, in dem alle ihre Sachen packen, ist der ehrlichste des Abends. Wer sofort zur Tür geht, verpasst ihn jede Woche.
Die drei Fehler, die den Kurs kaputt machen
Fehler 1: Du buchst den Kurs nur zum Kennenlernen. Dann sitzt du acht Wochen mit einer Agenda im Raum, die alle mitbekommen. Buch den Kurs, weil du tanzen, kochen oder Spanisch lernen willst. Das Kennenlernen ist der Nebeneffekt, und Nebeneffekte funktionieren nur, wenn sie Nebeneffekte bleiben.
Fehler 2: Du fragst in Woche eins nach der Nummer. Damit machst du aus dem Kurs eine Datingsituation, für alle, nicht nur für euch beide. Sie muss dann jede Woche an der Absage vorbeitanzen. Warte, bis ihr zwei oder drei echte Gespräche hattet. Die Zeit hast du hier.
Fehler 3: Nach einer Absage steigst du aus. Sie hat nett abgelehnt, du meldest dich für den Rest des Kurses nicht mehr, oder du gehst gar nicht mehr hin. Damit bestrafst du sie für ihre Ehrlichkeit und dich für deinen Mut. Bleib da, tanz mit ihr wie mit allen anderen. Ich habe mehr als einmal erlebt, dass daraus später doch etwas wurde, weil die Frau gesehen hat, wie jemand mit einem Nein umgeht.
Der Übergang nach dem Kurs: die Einladung, die niemanden in Verlegenheit bringt
Irgendwann ist der Kurs zu Ende, und dann entscheidet sich, ob aus dem Kontakt etwas wird. Die Einladung, die am besten funktioniert, ist klein, konkret und an den Kurs angedockt.
„Ein paar von uns gehen nach der letzten Stunde noch was trinken, kommst du mit?“ ist die Gruppenvariante, die niemanden festlegt. „Ich würde das gern weitermachen, hättest du Lust, den Aufbaukurs zusammen zu buchen?“ ist die direktere und trotzdem harmlose Version, weil sie an etwas anknüpft, das ihr beide schon tut. Und die direkte, wenn ihr schon weiter seid: „Ich fand die Abende mit dir gut. Hättest du Lust, das mal ohne Tanzlehrer zu machen, am Samstag?“
Solche Anlässe mit natürlichem Gesprächsrahmen findest du übrigens überall, wo Menschen aus einem anderen Grund zusammenkommen. Auf einer Hochzeit läuft dasselbe Prinzip, nur an einem einzigen Abend statt über acht Wochen. Wer das verstanden hat, braucht für das Kennenlernen ohne Portal vor allem einen Kalender mit ein paar festen Terminen darin.
Die Übung für vier Wochen: ein Schnupperkurs, drei Namen merken
Such dir diese Woche einen Kurs, der im Oktober oder November noch startet oder Quereinsteiger nimmt. Melde dich an, bevor du fertig überlegt hast, ob es der richtige ist.
Deine Aufgabe für die ersten vier Termine: drei Namen merken und beim nächsten Mal benutzen. „Hi Sandra.“ Mehr nicht. Keine Nummer, kein Date, keine Bewertung, wer infrage kommt. Nur drei Menschen, die du beim Namen kennst und die dich beim Namen kennen. Alles Weitere wächst aus diesem Boden. Ohne ihn wächst nichts.
Häufige Fragen
Ich kann überhaupt nicht tanzen, ist das nicht peinlich?
Alle im Anfängerkurs können nicht tanzen, das ist der ganze Sinn der Veranstaltung. Männer, die sich sichtbar anstrengen und dabei über sich selbst lachen können, kommen dort deutlich besser an als die zwei, die schon alles wissen. Deine Unsicherheit ist dort der gemeinsame Nenner. Nutz sie als Gesprächsthema.
Was ist, wenn im Kurs nur Paare sind?
In reinen Paartanzkursen ist das häufig so, in Salsa-, Koch- und Sprachkursen deutlich seltener. Ruf vorher an und frag nach dem Verhältnis, das sagen dir die meisten offen. Und selbst wenn es viele Paare sind: Du lernst tanzen, triffst Leute, und dein Dienstagabend ist nicht mehr leer.
Wie oft soll ich mit derselben Frau tanzen, ohne dass es komisch wird?
Halt dich an die Rotation, die der Kurs vorgibt. Wenn frei gewählt wird, tanz mit ihr, aber nicht dreimal hintereinander, und geh danach zu jemand anderem. So bleibst du der Typ, mit dem alle gern tanzen, statt der, den eine Frau abschütteln muss.
Wo du anfängst
Ein Kurs löst dein Problem zur Hälfte. Er bringt dich regelmäßig, entspannt und mit einem guten Grund in die Nähe von Frauen, ohne dass du dafür jemanden kalt ansprechen musst. Was er dir nicht abnimmt, ist der Moment, in dem du aus dem Kurspartner ein Gegenüber machst und etwas vorschlägst.
An dieser Stelle steigen die meisten Männer aus. Meistens, weil sie es nie geübt haben. Im Wochenendseminar arbeiten wir zwei Tage lang an genau diesem Übergang, in echten Situationen draußen statt in Rollenspielen. Wer erst allein an den Grundlagen arbeiten will, holt sich den kostenlosen Crashkurs ins Postfach. Und melde dich trotzdem für einen Kurs an, unabhängig davon. Die dunklen Monate sind lang genug, um dort anzukommen.

