Glücklich verheiratet – darf man (Frau) dann noch flirten?

Glücklich verheiratet – darf man (Frau) dann noch flirten?

Es ist lange her, seit ich das letzte Mal ausgegangen bin. Mein Mann hat die Kinder ins Bett gebracht und ich genieße diesen „freien“ Abend. Ich bin mit einer Freundin verabredet und wir treffen uns in einer Bar. Nach dem leckeren Abendessen sitzen wir gemütlich zusammen und quatschen über Gott und die Welt.

Zuerst habe ich es gar nicht bemerkt, doch mittlerweile beobachte ich deutlich aus dem Augenwinkel heraus, wie am Nebentisch ein toller Mann immer wieder zu uns rüber schaut. Meine Freundin ist ein „Männertraum“. Ein paar Jahre jünger als ich, lange blonde Haare, schlank und bildhübsch. Es war schon immer so, dass ich von den Männern meine Ruhe hatte, wenn ich mit ihr unterwegs war. Simone wird permanent angeflirtet, daran hab ich mich längst gewöhnt.

Doch heute ist es anders. Ich kann kaum glauben, dass dieser Mann nicht mit ihr, sondern mit MIR(!) in Augenkontakt geht und sobald er meine Aufmerksamkeit hat, seine Mundwinkel charmant in Richtung Ohren zieht. Offen und unverblümt flirtet er mich an. OMG!!! Das Licht ist gedämpft, so sieht zum Glück niemand, dass ich rot werde.

„Scheiße, was mach ich denn jetzt?“, flüstere ich Simone zu und bemühe mich, nicht dauern rüber zu schauen. Sie lacht und erwidert: „Flirte doch einfach zurück! Du wirst sehen, das macht Spaß!“ „Echt jetzt? Spinnst du?“, ist meine Reaktion auf ihre Worte. Doch das meine ich nur noch halb ernst, denn es macht mir bereits Spaß und ich weiß, dass sie Recht hat.

Flirten wieder neu lernen

Die ersten Versuche wirken vermutlich etwas unbeholfen und schüchtern, doch im Laufe des Abends entspanne ich mich immer mehr und genieße dieses Spiel wirklich. Er lächelt rüber, ich lächle zurück, wende meinen Blick wieder ab, um kurz darauf wieder Kontakt aufzunehmen. Das macht nicht nur Spaß, sondern tut auch unendlich gut. Nach der Geburt meiner Kinder habe ich meine leidenschaftliche und sinnliche Persönlichkeit etwas aus den Augen verloren. Mein Mann versichert mir ständig, wie sehr er mich liebt und begehrt, doch das Gefühl von einem Fremden begehrt zu werden, ist etwas völlig anderes. Es fühlt sich großartig an.

Als wir aufbrechen wollen, bin ich wieder hilflos, und weiß nicht recht, wie ich mich verhalten soll. „Du lächelst ihn nochmal an, sagst „Servus“ und dann gehen wir“, berät mich meine Freundin. Alles klar. Das kriege ich hin und mache es genauso. Irgendwie schade, dass ich nicht einmal weiß, wie der schöne Mann heißt. Und vermutlich ist es besser so.

Sexuelle Lust anregen

Diese Begegnung hat mich nachhaltig geprägt. Mein Mann und ich hatten in den letzten Jahren immer mal wieder Streit, weil ich zu wenig Lust auf Sex hatte. Eine andere Freundin gab mir den Rat, mal mit anderen Männern zu flirten, doch davon wollte ich nichts wissen. „Ich werde ja noch nicht mal mit meinem eigenen Mann fertig, was will ich denn dann mit noch einem?“, war die Standardfrage, die ich ihr oft stellte. „Probier es einfach aus. Du wirst schon sehen“, war ihre Standardantwort.

Jetzt weiß ich, was sie die ganze Zeit gemeint hat. Der Flirt in dieser Bar hat meine sexuelle Phantasie angeregt und meine Lust auf Sex angekurbelt. Mein Mann und ich haben mühsam gelernt, über Sex zu sprechen und bereits einige Dinge zum Besseren verändert. Doch die „externe“ Stimulation meiner Sinnlichkeit ist bisher unschlagbar. Ich habe meinem Mann von dem Flirt erzählt und er war begeistert. Schließlich hat er sehr davon profitiert.

Flirten als Lebenseinstellung

Seitdem nutze ich jede Gelegenheit für einen Flirt. Ein kurzer Blick hier, ein Lächeln dort, eine kleine Berührung, ein Kompliment oder ein Witz, wann immer ich Kontakt zu Menschen habe. Ja, du hast richtig gelesen. Ich „flirte“ auch mit Frauen. Und das völlig ohne Hintergedanken. Ich übe, immer mehr nette Worte und Gesten zu verschenken, denn dadurch werde ich selbst lockerer und festige dieses Verhalten als Gewohnheit. Anderen Menschen gute Gefühle zu machen, macht mein Leben glücklicher. Das möchte ich nicht mehr missen.

Der Rentner, den ich jeden Morgen beim Laufen treffe, freut sich jedenfalls wie ein König über mein Lächeln oder ein nettes Wort. Die Verkäuferin im Supermarkt liebt es, wenn ich sage, dass ich immer wegen ihr an ihre Kasse komme, selbst wenn ich dafür länger anstehen muss. Und jeder, dem ich ein Kompliment über ein schönes Kleidungsstück oder Accessoire mache, hat dann ein besonderes Strahlen in den Augen.

Flirten geht für mich weit über Sexualität oder Sinnlichkeit hinaus. Flirten bedeutet, gute Gefühle zu verschenken, und gute Gefühle zurück zu bekommen. Es macht die Welt ein Stück heller.

Manchmal gefällt mir ein Mann auch besonders gut, dann bekommt der Flirt einen intensiveren Charakter und ein „was wäre wenn – Gedanke“ breitet sich ab und zu in meinem Gehirn aus. Dann kommt es schon mal vor, dass ich mich nicht traue, einen Mann anzuquatschen. Oder manchmal entsteht sogar ein bisschen mehr, als nur ein harmloser Flirt. Dann fühle ich so etwas wie Verliebtheit.

Ich liebe meinen Mann und ich weiß, dass eine 12jährige Ehe nicht dieselben Gefühle auslösen kann, wie ein fremder Mensch und ein Flirt außerhalb. In einer langjährigen Beziehung sind die vorherrschenden Gefühle Vertrauen, Vertrautheit, Geborgenheit, Innigkeit und auch ein bisschen Bequemlichkeit und Langeweile. Das ist völlig normal und gar nicht schlimm. Eine wilde Verliebtheit kann kein Mensch auf Dauer aushalten. Das wäre viel zu anstrengend.

Glücklich verheiratet und trotzdem flirten? Ja! Unbedingt!

Doch ich liebe es, auch ab und zu Schmetterlinge im Bauch zu fühlen. Dafür ist mein Mann nicht zuständig, das hole ich mir woanders. Und auch mein Mann liebt es, mit anderen Frauen zu flirten und ich kann sogar ganz entspannt daneben stehen und ihm seinen Spaß gönnen. Ich sehe, wie er es genießt und freu mich für ihn. Die irritierten Blicke der Frauen finde ich immer wieder lustig, denn es ist keineswegs üblich, dass Paare das so locker handhaben. Die meisten Ehefrauen würden vermutlich ihre tödlichsten Blicke austeilen, gedanklich die Messer wetzen und dem Mann eine Szene machen. Wie schade!

Wie schön wäre es, wenn sich Paare gegenseitig mehr erlauben würden, auch außerhalb der Beziehung zu flirten und Spaß zu haben. Wenn sie sich die guten Gefühle gönnen könnten und ein Vertrauen zueinander aufbauen, welches weit über das übliche Treuegeschwätz hinausgeht. Wie cool wäre es, wenn sich mehr Menschen ehrlich eingestehen würden, dass sie einen Flirt genießen und sich selbst (und ihrem Partner) damit gut tun.

Deswegen muss ja nicht gleich jeder Fremdgehen oder eine offene Beziehung leben. Das klassische: „Appetit holen ist erlaubt, gegessen wird Zuhause!“ ist doch auch prima. Ein Flirt kann das Selbstwertgefühl anheben, die eigene Partnerschaft bereichern und das Liebesleben erfrischen. Also mehr davon!

Leben darf leicht gehen und Spaß machen. Liebe auch!

Herzlichst

Melanie

Über die Autorin:

Melanie Mittermaier verheiratet flirten

Melanie Mittermaier liebt es zu lachen und zu lieben. Sie hat beschlossen, ein außergewöhnlich lustiges Leben zu führen und unterstützt Kinder und Erwachsene dabei, ebenso viel Spaß zu haben, wie sie selbst. Menschliche Beziehungen, insbesondere langjährige Liebesbeziehungen, sind ihre Leidenschaft und ihr Spezialgebiet.

Als Coach, Bloggerin und Speakerin gibt sie ihre Erfahrung, ihr Wissen und ihre unbändige Lebensfreudean ihre Klienten, Leser und Zuhörer weiter. Echt, ehrlich und ein kleines bisschen frech.

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4 Gedanken zu „Glücklich verheiratet – darf man (Frau) dann noch flirten?“

  1. Hi Melanie,

    schöne Ansicht. Mir gefällt die Entspannung die Lebensfreude, die da raus strahlt 🙂
    Wobei aus meiner Sicht auch oft nix gegen eine offene Beziehung spricht 😉

    LG, Nils

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  2. Schwachsinn hoch drei ! Ich lese da nur raus das Sie Ihren Mann keinesfalls innig lieben, denn sonst hätten Sie ein schlechtes Gewissen !

    Und Ihr Mann liebt Sie übrigens auch nicht.

    Was Sie betreiben ist bestenfalls eine Zweckbeziehung.

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  3. Ich finde, dass das dennoch ein spiel mit dem Feuer ist. Es kann passieren, dass das Flirten mit einer gleichen Person zum Verhängnis wird, wenn es in der Eingenen Beziehung schlecht läuft z.B (zu viel Routine, Langweile, immer mit der Familie abhängen anstatt mal auch alleine mit dem Partner wegzufahren etc)

    Wenn ein extrovertierter Mann, der in so einer Beziehung lebt, und merkt, dass eine Frau ihm schöne Augen macht bzw. Interesse signiert,beleibt es meistens nicht nur bei einen Harmlosen Augenklippern..Wenn der Flirt regelmäßig geschied, dann will der Mann doch schon mehr (in die Kiste steigen, wenn sich die Möglichkeit erweist). Als nur Flirten….

    Es kommt immer auf das maß an. Denn ein wenig Augenklippern schadet nicht. Und Frauen Flirten machmal auch ohne dass sie das merken. xD Man kann Nettigkeiten oder Zuvorkommendes verhalten leicht als Flirten interpretiert werden..Ist ja auch eine Individuelle Sache.

    Aber es gibt aber auch Situationen wo es schon Sexuell wird Z.B. Am Rücken streicheln, Taille, Oberschenkel anfaßen, sonstige Körperliche Berührungen, lange Umarmungen,

    Da fragt man sich schon, welche Motivation steckt dahinter? Warum tut er oder sie das nicht mit Seinem/ihrem Partner?

    Als man verliebt war oder es in der Beziehung gut läuft, hätte man das Bedürfnis nicht mit anderen zu exzessiv zu Flirten/andere Männer bzw Frauen zu Berühren, streicheln und eine Andere Frage ist, warum Flirtet man nicht exzessiv nicht mit seinem eigenen Partner?

    Nur die Dosis macht das Gift.

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  4. Ich finde auch, dass wenn ich in einer glücklichen Ehe bin, ich mir keine Anreize von einer anderen Frau holen muss. Entweder zieht mich meine Frau an oder sie ist die falsche. Auch nach 20 Jahren Ehe muss das so sein. Wer dennoch flirtet, dem fehlt was und liebt auch keinesfalls seinen Partner.

    Gruß

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