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So lassen sich Muster der Partnerwahl durchbrechen

So lassen sich Muster der Partnerwahl durchbrechen Ein Gastartikel von Eric Hegmann

Eric Hegmann berät seit 15 Jahren Singles und Paare. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit rund 10 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chief Love Officer des Beziehungsweise Magazins (<< Hier findest du spitzen Artikel, auf jeden Fall sehr lesenswert!!!)

Eric Hegmann
Dating- und Beziehungsexperte Eric Hegmann

 

Viele Singles kennen das: vielversprechende Kontakteerweisen sich nach einiger Zeit als unverbindlich, beziehungsunfähig, stur, egoistisch, untreu oder wollen sie in eine Abhängigkeitsbeziehung drängen.


„Ich gerate immer an die Falschen!“ ist wohl einer der häufigsten Seufzer einer Single-Beratung. Darauf folgt eine Beschreibung, die sich gut zusammenfassen lässt mit „So hatte ich mir das nicht vorgestellt!“

Die ermutigende Nachricht zuerst: Das ist kein Schicksal, das können Sie ändern. Dahinter verbirgt sich ein Arbeitsauftrag: Durchbrechen Sie die Muster und wählen Sie andere Partner!

Die meisten Singles erwidern nun: „Ja, schon klar. Aber die anderen …“

Häufigste Fortsetzungen dieses Satzes sind: „… entsprechen nicht meinem Beuteraster“, … interessieren mich einfach nicht“, „… sind vergeben“ oder „… lösen nichts bei mir aus.“

Wenn Männer von ihrem Beuteschema sprechen, dann geht es meist um bestimmte optische Attribute, die ihre Traumfrau aufweisen muss, damit sie eine Anziehung verspüren. In ihrer Verhaltensweise sollte sie außerdem fürsorglich sein. Frauen beschreiben selten zunächst optische Merkmale. Ihre Wunschliste beinhaltet Merkmale wie Selbstbewusstsein, Durchsetzungsvermögen, „mit beiden Beinen im Leben stehend“, ein Status, der beschützend und versorgend sein kann, ein liebevoller Umgang und Verbindlichkeit. All das ist das Versprechen: Du bist meine erste Priorität.

Singles, die mit den Mustern ihrer Partnerwahl unglücklich sind, wählen jedoch ganz andere Partner oder zumindest solche, bei denen mindestens ein Attribut überhaupt nicht auf ihre Beschreibung passt. Bei Männern ist fast immer die Fürsorglichkeit, die sie vermissen, die aufrichtige Bestätigung ihrer Selbst. Sie fühlen sich nicht wirklich angenommen und reduziert auf Status oder potentielles Heirats- und Vatermaterial. Frauen klagen dagegen besonders häufig über einen Mangel an Verbindlichkeit und liebevollem Umgang, der sich beispielsweise durch Aufmerksamkeit und Engagement ausdrückt.

Alle Menschen sehnen sich nach Bindung und Nähe. Gleichzeitig macht sie vielen Angst. Das muss nicht bewusst sein. „Ich gerate immer an die Falschen!“ ist nahezu immer ein Zeichen von Bindungsangst und eben nicht ein Mangel an Gelegenheiten. Die Frau, die – um ein typisches Modell zu wählen –immer wieder an einen „Bad Boy“ gerät, also einen unverbindlichen Mann als Partner zulässt, stellt rasch fest, dass der zwar sexuell attraktiv ist, aber dass er als Familiengründer, der ihr zur Seite steht und auf den sie sich verlassen kann, nicht taugt. Vermutlich übernimmt sie viele mühevolle Versuche, ihn zu überzeugen, dass sie die Richtige für ihn ist – aber in Wirklichkeit ist er nicht der Richtige für sie. Er entspricht überhaupt nicht ihren Anforderungen.

Personen mit einem sicheren Bindungsverhalten und hohem Selbstwert ziehen in einer solchen Situation weiter und suchen einen anderen Partner. Die anderen jedoch wiederholen ihre Erfahrung voller Hoffnung, irgendwann den zu finden, der alle ihre Wünsche vereint. Wohl wissend, dass es den gar nicht geben kann.

Dieses Muster der Partnerwahl ist im Grunde eine Strategie der Beziehungsvermeidung, aber eine, die viele unglückliche Singles nicht als solche erkennen. Die gleiche Strategie steckt hinter „An meinem Leben will ich nichts ändern. Ich warte auf den Partner, der mich so nimmt wie ich bin.“ Eigentlich steckt hinter jedem Beuteraster, das unglücklich macht, Bindungsangst oder zumindest Furcht vor Nähe.

Die Bindungstheorie geht davon aus, dass alle Menschen sich nach Bindung sehnen und sie durch Bezugspersonen der frühen Kindheit einen Bindungsstil aneignen. Wer Nähe und vorbehaltloses Angenommensein erlebt, wird eher sicher sein. Wer Liebe als etwas erfährt, das verdient werden muss, wird der eher unsicher sein.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Personen mit einem sicheren Bindungsverhalten selten lange Single sind und daher die übrigen mit unsicherem Bindungsverhalten besonders häufig aufeinander treffen. Diese wiederum lassen sich in ängstliche und vermeidende Persönlichkeiten grob unterscheiden. Die ängstlichen suchen Nähe und sind bereit, sich zu engagieren, zu investieren und Aufmerksamkeit zu schenken. Genau das ist, was wiederum vermeidende Persönlichkeiten benötigen: eine Person, die sich um sie bemüht, die sie bestätigt.

Wer sich Muster der Partnerwahl genau betrachtet, stößt immer wieder auf das Selbstwertgefühl, das ausschlaggebend für den Bindungsstil ist. Und es lässt sich tatsächlich sagen: Wer immer an die Falschen gerät würde sich selbst nicht daten oder heiraten wollen. Das führt dazu, dass eine Person, die ernsthaftes Interesse zeigt, nicht ernst genommen werden kann. Weil der Wunsch nach Bindung aber evolutionär in uns gewaltig ist, sucht eine solche Person Nähe dort, wo sie schlussendlich nicht entstehen kann.

Um ein lange erfolgloses Muster der Partnersuche zu durchbrechen muss zunächst bewusst werden: Dieses Muster wird auch in Zukunft nicht erfolgreich werden.

Es genügt nicht, die Anstrengungen zu verstärken. Das wird nur noch unglücklicher machen. Es braucht eine neue, eine andere Strategie.

Der erste Ansatz ist, die Gelegenheiten zu ändern. Wer Mitte 30 in den Clubs nach einem Partner sucht, in denen er die letzten zehn Jahre tolle One Night Stands gefunden hat, wird dort weiterhin nur One Night Stands finden. Es heißt also die bisherigen Trampelpfade aus Freundeskreis, Arbeitsplatz und Freizeit zu verlassen. Viele Singles erleben das als anstrengend und mühsam und kehren rasch enttäuscht zu ihren alten, vertrauten Mustern zurück. Die machen sie zwar nicht glücklich, aber mit denen kennen sie sich aus.

Der zweite Ansatz ist noch anstrengender: Alle unsicheren und vermeidenden Kontakte „ab“wählen. Wer sagt „Ich habe aber sehr viel zu tun …“ oder „Ich bin mir nicht sicher, ob ich eine Beziehung möchte …“ kommt nicht in Frage.

„Aber alle, die ich haben könnte, sind doch …“ Ist daraufhin eine typische Reaktion. Die kommt teilweise von unrealistischen Vorstellungen, dass Beziehungen grundsätzlich mit Liebe auf den ersten Blick beginnen müssen. Oder dass sich wie in Hollywood-Filmen die beiden ganz unterschiedlichen Charaktere am Ende doch bekommen. Das haben sich Dramaturgen ausgedacht, weil sonst niemand das Buch, die Serie oder den Film sehen wollte. Wer einen solchen Film in seinem Kopf hat, sollte nicht permanent die Darsteller austauschen sondern den Drehbuchautoren und dem Regisseur einen neuen Auftrag geben.

Freunden Sie sich mit sich selbst an. Lernen Sie zu sagen „Ich bin gut.“ Wenn das schwer fällt: Beginnen Sie mit „Ich bin gut genug.“ Das stärkt Ihren Selbstwert und macht damit Ihr Bindungsverhalten sicher.

Und Menschen mit sicherem Bindungsverhalten sind nicht lange Single, denn sie sind begehrt.

Wer immer an die Flaschen gerät könnte sich fragen: Was haben die glücklichen Paare anders gemacht als ich? Welche Strategie könnte ich für mich ausprobieren, die ganz anders ist als jene, die bisher erfolglos blieb?

Eine ganze Welt voller neuer Türen mit neuen Möglichkeiten wird sich dadurch öffnen. Und es ist ausgesprochen wahrscheinlich, dass durch eine dieser Tür die Liebe kommt, die ein Leben lang halten kann.

 

 

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