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Minnesang im Mittelalter & Heute (Flirt Geschichte)

Dû bist mîn, ich bin dîn:

des solt dû gewis sîn;

dû bist beslozzen in mînem herzen,

verlorn ist daz slüzzelîn:

dû muost och immer darinne sîn.

 

Flirt Geschichte

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Heute entführen wir euch mit einer kleinen Zeitreise ins Mittelalter. Dem rauen Zeitalter der vornehmen Höfe, der Pest, der Ritter und der Burgfräulein, die es zu bezirzen galt. Der Minnesang galt im sonst kulturell eher verkümmerten Mittelalter

Der Minnesang Experte im Gespräch

 

Über den Minnesang Experten Holger Schäfer:

Holger Schäfer studierte zunächst ALTE MUSIK an der Musikakademie Kassel. Schwerpunktthema war die Cembalo- und Blockflötenmusik des 17. und 18. Jahrhunderts. Nach dem Studium fand er jedoch zu seiner großen Leidenschaft:

der Keltischen Harfe. Dieses Instrument verzauberte ihn über die Maßen und regte zum Singen und Erzählen von Märchen, Mythen und Geschichten an. Schließlich erarbeitete er sich das Genre der gesungenen mittelalterlichen Lyrik und gewann auf dieser Ebene mehrere Preise. Er versteht sich als lyrischer Geschichtenerzähler aus alter Zeit.

Horst Wenzel: Ich hab heute Holger Schäfer bei mir und er ist professioneller Minnesänger und Minnesangexperte. Und da wir uns bisher nur wenig mit historischen Themen beschäftigt haben, möchte ich die Gelegenheit nutzen euch mit auf eine Zeitreise ins Mittelalter zu nehmen und uns da mal die Romantik um den Minnesang anzuschauen.
Holger, was heißt Minnesang für dich?

Holger Schäfer: Minnesang ist eine Kunstform bei der man Sehnsucht in kunstvolle Worte kleidet: Poesie, Dichtung und dabei eine bestimmte Haltung ausdrückt. Man nimmt dazu Musik, auch aus der entsprechenden Zeit natürlich, also Musik aus dem 12. – 14. Jahrhundert, da dort die Hochzeiten des klassischen Minnesangs waren. Das mischt man dann neu und versucht heutzutage eine eigene Note reinzubringen, aber ich versuche auch die historische Seite zu beleben.

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Horst Wenzel: Gibt es dann echt auch Elektro-DJ’s die das Ganze modern darstellen?

Holger Schäfer: Ja, gibt es. Es gibt auch klassische Minnesänger, die einfach singen und dann wird ein cooler, moderner Sound darunter gelegt. Minnesang machen aber auch Rapper oder Hardrocker, die Minnesangthemen benutzen.

Horst Wenzel: Krass! Deathmetal als Minnesang. Lustig, was daraus geworden ist. Jetzt wollen wir aber mit euch eine kleine Zeitreise machen und mal überlegen, wie man Minnesang mit Flirten verbinden kann. Dabei hast du mir gerade erklärt, dass es eigentlich gar nicht so viel mit Flirten zu tun hat, sondern dass es eher eine Show ist.

Holger Schäfer: Genau. Also der klassische Minnesang, sagen wir jetzt mal der richtige mittelalterliche Minnesang, wird geplant. Es ist wirklich so, dass der adelige Hausherr den Minnesänger bucht und dieser dichtet dann extra für den Abend. Und an dem Abend selber nehmen alle Gäste ihre Rollen ein. Also die Dame, die beminnt wird, ist eigentlich auch schon eine Rolle. Das ist dann zum Teil die Fürstin, oder die Dame des Hauses.

Horst Wenzel: Gib mal ein Beispiel wer im Minnesang besungen wurde?

Holger Schäfer: Zum Beispiel Heinrich der Sechste, das ist der Sohn von Barbarossa. Der hat seine Frau, Konstanze, beminnen lassen. Oder in den Höfen wurde auch die Landgräfin Sophia von Hermann von Thüringen oft beminnt. Zum Beispiel beim überlieferten Minnesängerwettstreit auf der Wartburg war das so.

Horst Wenzel: Okay, das klingt auf jeden Fall spannend. Was kann man denn vielleicht von dem damaligen Minnesang für das Flirten heutzutage lernen?

Holger Schäfer: Ich würde denken, dass es eben auch eine sehr prickelnde Komponente ist, wenn die Nähe die aufgerufen wird, durchdrängt ist von Sehnsucht nach dem was man vielleicht nicht kriegen kann. Also wenn man total von sich überzeugt ist, ist das auch eine Variante.

Aber der Minnesänger ist ja eher vorsichtig und schwärmt so dermaßen von der Dame, die er aber vielleicht nicht kriegen kann, dass es so eine ganz bestimmt Komponente kriegt. Etwas feines, sehr gefühlvolles, also eine melancholische Komponente. Man stellt sich total zurück und sagt eher noch das man ein bisschen darunter leidet, weil man nicht in der Nähe der Dame sein kann. Und nimmt sich selbst sehr stark zurück.

Horst Wenzel: Darauf springen Frauen, meiner Meinung nach, auf jeden Fall sehr gut an. Auch auf diese sehr stark emotionale, sehr weiche Komponente. Da auch etwas vornehmes und die Sehnsuchtskomponente in den Lieder mitschwingt.

Jetzt ist das Bild, was ich von Minnesang habe, dass da ein Typ, ein Barde, unten vor einem Turm, von einem Burgfräulein, steht und sich einen abklimpert. Und sie schaut vielleicht mal raus, während er versucht ihre Aufmerksamkeit zu erwerben. Du sagst, so war es jetzt eigentlich gar nicht.

Holger Schäfer: So war es tatsächlich nicht. Aber diese Haltung, ist die typisch romantisch. Und die Romantiker haben das genauso belebt. Die haben versucht das so zu verpacken, dass es um Natürlichkeit und tatsächlich um die wirkliche Frau geht, mit der man dann verschwindet. Das ist wirklich höchst romantisch und typisch für das 19. Jahrhundert.

Daher kommt dieses Bild des Minnesängers, wie er in die Burg reitet und sich das schöne Fräulein anschaut. Sie weiß nichts anderes und will mit ihm mitgehen. Das ist die romantische Vorstellung.

Horst Wenzel: Jetzt wollen wir aus der Geschichte der Menschheit lernen. Wenn du jetzt den Minnesang übertragen müsstest auf ein Whats App Gespräch oder auf einen Facebook Chat, indem du jemanden “anminnechatten” willst. Was könnte man da für Komponenten übernehmen?

Holger Schäfer: Also bei den Minnesängern ist es am Anfang ganz typisch, dass es einen Natureingang gibt, wie die Germanisten es nennen. Da schreibt man dann erstmal wie man sich fühlt im Bezug zur Natur. Wenn es jetzt zum Beispiel grad Sommerabend ist, schreibt man beispielsweise darüber und verbindet das mit der Angebeteten, indem man sagt, dass sie ebenso schön ist wie dieser Sommerabend und man immer bei ihr sein möchte.

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Horst Wenzel: Würdevoll, leidenschaftlich und Sehnsucht – das alles gepaart mit ein paar Emojis dazwischen klingt gar nicht so schwer. Und sicherlich kann man sich etwas von der mittelalterliche Sprache, die ja heute doch eher schnulzig und geschwollen klingt, abschauen.

Wo kann man von dir mehr über den Minnesang lesen oder hören?

Holger Schäfer: Einfach unter Holger Schäfer Minnesang oder auch auf der Seite minnesang.com von dem Musikwissenschaftler Lothar Jahn. Und wenn man einen Minnesänger buchen möchte, was man auch machen kann, muss man über die Website einfach mal Kontakte knüpfen.

Horst Wenzel: Cool! Zum guten Abschluss, was ist dein Lieblingsminnesang?

Holger Schäfer:

Du bist mein, ich bin dein,
Da kannst du ganz sicher sein.
Du bist in meinem Herzen fest eingeschlossen,
Das Schlüsselchen ist verloren gegangen.
Nun musst du für immer darin bleiben.

Dû bist mîn, ich bin dîn:
Des solt dû gewis sîn;
Dû bist beslozzen in mînem herzen,
Verlorn ist daz slüzzelîn:
Dû muost och immer darinne sîn.


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