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Die zweite Kolumne der Autorin Svea J. Held: Die Entdeckung der Faulheit

„Die Entdeckung der Faulheit“

Teil 2 der Kolumne von Svea J. Held: Flirten trotz Beziehung

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Ein heißer Sommertag, eine Sonnenliege im Schatten unterm Apfelbaum. Die Bienen und Hummeln brummen geschäftig vorbei, die Vögel zwitschern in den hellsten Tönen. Ein laues Lüftchen weht, während man versucht sich auf das Buch in der Hand zu konzentrieren. Doch die Augen werden schwer, man lächelt dem Liebsten kurz zu, bis man schließlich träge vor sich hin döst. Man hört noch das leise Rauschen der Blätter, fühlt die Brise auf der Haut, bevor man friedlich einnickt. Und eine halbe Stunde später, beginnt die Szene von vorn.

Natürlich erst, nachdem man einen kleinen Snack zu sich genommen und am Rosé genippt hat. Keine Termine und leicht einen sitzen. So definierte schon Harald Juhnke das Glück. Herrlich, wenn man so einen Sonntag vertrödeln kann! Wenn man es denn kann. Und einen die Hummeln im Hintern nicht dazu drängen, noch eben eine Gartenmauer hoch zu ziehen, etwas zu diskutieren oder zumindest mal schnell in die Mails zu gucken, damit man weiß, was einen am nächsten Tag im Büro erwartet.

Alleine faul rumzuliegen kann schon eine Herausforderung sein, wenn man den Rest der Woche unter Strom steht. Doch zu zweit kann mitunter erst recht das Gefühl entstehen, irgendetwas tun zu müssen. Man kann doch nicht so rumgammeln! Was soll der andere denn denken! Gerade am Anfang einer Beziehung, wenn die Treffen noch sehr eventorientiert sind und sich die Dates in Originalität und Spektakel am besten immer wieder übertreffen sollen, scheint es undenkbar, einfach mal nichts zu tun.

Liebesmüh Faulheit

 

Zu groß die Angst, als Couchpotatoe oder langweilig abgestempelt zu werden. Mehr noch, können Schweigen und Nichtstun sogar unangenehm sein. Warum? Weil man sich noch nicht so vertraut ist. Man kann das Schweigen nicht einordnen. Ist es Ausdruck von tiefer Zufriedenheit und Entspannung? Oder hat man sich einfach nichts zu sagen, die Luft ist raus? Der Drang irgendetwas zu tun oder zu sagen, kann so groß sein, dass man sich irgendwann dabei erwischt wie man der neuen Flamme vom Wetter, dem neuen Cupcakerezept oder den Knieproblemen der Oma erzählt. Hauptsache die Leere wird gefüllt. Die Entdeckung des Schweigens und der Faulheit scheint also eher fortgeschrittenen Paaren vorbehalten zu sein.

Hier können Männer im Sinne der gemeinsamen Entwicklung als Paar, ihre Kernkompetenz ausspielen: Nicht reden. Manche Exemplare können das sogar, obwohl man im Gespräch ist, aber das ist ein anderes Thema. Jedoch einfach nur nicht miteinander zu reden, ist es etwas ganz anderes als zusammen schweigen zu können: Schafft die Stille eine Luft zum Schneiden? Oder unterstreicht sie die Leichtigkeit des Seins? Wenn jeder seinen Gedanken nachhängen, man schweigend und nichts tuend nebeneinander sitzen kann und sich dabei sogar wohlfühlt, hat man etwas sehr Wertvolles entdeckt: die Kür der Nähe.

Sich immer wieder träge durch den Halbschatten des Apfelbaums anzuschauen, nichts zu sagen und sich trotzdem zu verstehen. Wenn man das erreicht hat, dann ist man gut in Beziehung. Denn „die Sprache ist die Quelle der Mißverständnisse“, erklärt der Fuchs dem Kleinen Prinzen und möchte gezähmt werden: Sich erst miteinander vertraut zu machen, nebeneinander zu sitzen, dabei nicht zu sprechen, um dann füreinander einzig in der Welt zu sein. Wunderschön.

Also: Einfach mal die Kresse halten!

Dir hat die Kolumne gefallen? Dann sei gespannt auf den dritten Teil der Kolumne, in der es um ehrlich gemeinte Komplimente gehen wird.

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