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Auf den Spuren der Geschichte des Valentinstags: Ein Beitrag von Svea J. Held

„Meine Gitte braucht sowas ja nicht!“

Danke sagen, zu einem Essen einladen, Blumen schenken oder ein paar Zeilen schreiben. In Sachen zärtlicher Gesten, sollten viele besser noch einen Zahn zulegen – Warum der Valentinstag genauso wichtig ist, wie regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt.

Wer es schon im Alltag versäumt, der Gattin regelmäßige Aufmerksamkeiten als Zeichen der anhaltenden Liebe zukommen zu lassen und vielleicht sogar noch mit gnadenloser Zuverlässigkeit den Hochzeitstag vergisst, hat eine weitere Gelegenheit, so richtig zu verkacken: Valentinstag. Der selbstverständlich nicht immer auf einen Dienstag fällt.

Gegner führen gerne zu Felde, dass sie so einen Tag nicht bräuchten um ihrer Wertschätzung Ausdruck zu verleihen: „Meine Gitte braucht sowas ja nicht! Die weiß schon, dass ich sie liebe. So auf meine Art.“ – Ah ja. Wie Gitte das wohl sieht? – Und überhaupt sei das ganze Theater ja nur ein ausgebuffter Trick des Handels, um dem unbescholtenen Bürger bei einer neuerlichen Gelegenheit, das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Liebe Valentinstag

Verschwörungstheoretiker glauben sogar, dass dieser Tag eine Erfindung des Blumenhandels sei. So wie der Weihnachtsmann von Coca-Cola. Und dass der Kitsch mit Herzchen und roten Rosen, in den letzten Jahren wieder einmal über den großen Teich zu uns herüber geschwappt sei.

Ha! Weit gefehlt. Ganz weit! An dieser Stelle ein kleiner Exkurs in die Geschichte: Der Valentinstag ist benannt nach dem heiligen Valentin, Bischof von Terni, der am 14. Februar im Jahre 269 hingerichtet wurde. Als Strafe dafür, dass er Liebespaare trotz Verbots getraut und ihnen obendrein noch Blumen aus seinem Garten geschenkt habe. Diese von ihm gesegneten Ehen seien übrigens ganz besonders glücklich gewesen, aber das nur am Rande.

Doch das ist noch nicht alles. Nach altem europäischen Volksglauben und aufgrund eines beliebten Gedichts, das einst zur Valentinsfeier am englischen Hofe vorgetragen wurde, paaren sich zudem am 14. Februar die Vögel, woher auch der Begriff Vogelhochzeit stammt. Und wegen dieser, auf eben diesen Tag zusammen fallenden Anlässe, wurde der Valentinstag schon im 14. Jahrhundert, ausgiebig als heiliger Tag der Liebenden, der Jugend oder jungen Liebe und der Freundschaft gefeiert.

Insbesondere in England und Frankreich war er ein wichtiger Tag, an dem Blumen sowie selbst gestaltete Karten an Freunde und die Liebsten verschenkt wurden. Und da die Engländer tüchtig auf den Weltmeeren unterwegs waren, nahmen die Auswanderer diesen Brauch überall hin mit, wo er sich vor allem in Amerika fest etablierte und bis heute eine große Rolle spielt.

Von dort kam er nach dem Ende des zweiten Weltkriegs durch die amerikanischen Besatzer nach Deutschland. Ha! Na ok, er kam also doch über den großen Teich zu uns. Aber die Geschichte dieses Tages musste ich einfach erzählen.

Ist eben nicht wie der Weihnachtsmann, sondern eine jahrhunderte alte Tradition. Auch wenn sie bei uns noch keine hundert Jahre alt ist. Eigentlich erstaunlich, dass bei unseren direkten Nachbarn an diesem Fest der Liebe, über eine enorme Zeitspanne hinweg, die Post abging und wir erst so spät auf den Zug aufgesprungen sind.

Valentinstag

Und das auch nur über Umwege. Naja, wer guckt sich schon gerne was bei den Nachbarn ab. Außer am Vorgarten vielleicht.

Hey, da ist vor gut 1.700 Jahren einer als Märtyrer einen grausamen Tod gestorben, weil er für Liebende eingetreten ist! Diesen Helden nehmen wir uns an einem Tag im Jahr zum Vorbild und zeigen unsere Liebe all denjenigen, die uns am wichtigsten sind. Und die kleinen piependen Vögelchen machen Hochzeit! Also wer da keine romantischen Gefühle entfaltet und nicht spontan das Bedürfnis verspürt, ein wenig Liebe unter den Menschen zu verteilen, der sollte sich dringend mal am Herzen untersuchen lassen.

„Hm. Da stecken heuzutage trotzdem die Floristen dahinter“, nörgelt jetzt vielleicht ein Hartgesottener mit einem Herzen aus Stein. Mag sein. Aber wir könnten doch den Valentinstag auch so wie die halbjährliche Erinnerung unseres Zahnarztes betrachten. Ohne, würden wir diesen wichtigen Termin im Alltag vermutlich getrost vergessen. Und uns dann wundern, dass der letzte tatsächlich schon so lange her sein soll. Genauso, wie es im Alltag eben gerne untergeht, sich zu sagen oder durch kleine Gesten zu zeigen, dass man sich liebt. Versäumt man es zu oft, gibt es früher oder später Zahnschmerzen.

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Schon mal gehört? Was für Freunde gilt, gilt für den wichtigsten Menschen an seiner Seite im Besonderen. Wir brauchen eben konkrete Anlässe, um uns daran zu erinnern und motiviert, ja vielleicht auch etwas genötigt zu fühlen, etwas zu tun: Muttertag, Tag der Organspende, alle möglichen Gedenktage, bis hin zum Welt-Pinguin-Tag. Weil diese Dinge sonst einfach in der Versenkung verschwinden würden.

Schließen wir die Augen und stellen uns folgende Szene vor: Gitte kommt erschöpft nach Hause, schleppt sich mit einer viel zu schweren Einkaufstasche die Treppe hoch, dreht den Schlüssel in der Tür und erlebt dahinter eine ungeahnte Überraschung. Thomas nimmt ihr die Tasche sowie den Mantel ab und begleitet sie in die Küche. Ein Strauß ihrer Lieblingsblumen steht in der Vase, eine Flasche Prosecco ist kalt gestellt. Er schenkt ein und murmelt etwas verlegen: „Ich wollte Dir nur mal sagen, wie viel Du mir bedeutest. Und Danke sagen, für unsere gemeinsame Zeit und alles was Du für mich tust.“

Valentinstag

Gitte ist gerührt und weiß nicht so recht was sie sagen soll. „D-d-das wäre doch nicht nötig gewesen“, stottert sie überwältigt. Thomas entgegnet leise: „Doch, das war es. Längst überfällig sogar.“ Sie stoßen mit einem genuschelten Zum Wohl an und nippen an ihren Gläsern. „Stimmt“, lächelt Gitte schließlich. „Das war es. Schön, dass Du es mal gesagt hast.“ Thomas nickt stumm und freut sich darüber, dass sich Gitte freut. Denn das ist sowie das Schönste am Schenken.

Das könnte an einem Valentinstag geschehen sein, dem Gedenktag an die Liebe. Oder vielleicht an Muttertag? Oder natürlich einfach so an jedem anderen Tag im Jahr. Egal. Hauptsache, diese oder ähnliche Worte, finden immer wieder ihren Weg zu den Lieblingsmenschen dieser Welt.

Du liebst den Valentinstag und hast dich unheimlich darüber gefreut, mehr über die Geschichte des Valentinstags zu erfahren? Dann schau dir doch auch die anderen Kolumnen unserer Gastautorin Svea J. Held an. Sie werden dir genauso gefallen und geben dir eine kleine Auszeit von deinem Alltag.

Hier findest du weitere Beiträge:

Die erste Kolumne der Autorin Svea J. Held: Flirten trotz Beziehung

Die zweite Kolumne der Autorin Svea J. Held: Die Entdeckung der Faulheit

Die dritte Kolumne der Autorin Svea J. Held: „Ich kann schöne Menschen sehen“

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