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Das 1×1 der Offenen Beziehung

Welche Fragen hast du zum Thema offene Beziehung?


Genau das hat der Buchautor Nils Terborg vor kurzem meine Leser gefragt. Die spannenden Ergebnisse habe ich in diesem Artikel zusammengestellt. Und mich natürlich gleichzeitig bemüht, die Fragen umfassend, verständlich und so hilfreich wie möglich zu beantworten.


Beim Lesen wünsche ich dir viel Spaß! Wenn noch eine Frage fehlt, poste sie gerne in den Kommentaren, dann ergänze ich auch dazu eine Antwort!

#1: Kann eine offene Beziehung wirklich funktionieren?

Die einfache Antwort: Ja!
Trotzdem gibt es sehr viele offene Beziehungen, die zumindest nicht dauerhaft funktionieren. Das gilt so aber auch für alle anderen Arten von Beziehungen. Die Frage ist daher vor allem, unter welchen Umständen eine offene Beziehung funktionieren kann.

Wer das für sich herausfinden möchte, kann sich ein paar konkrete Fragen stellen:

  • Wie stark leide ich unter Eifersucht?
  • Was ist die Motivation hinter dem Wunsch nach einer offenen Beziehung?
  • Wie funktioniert das Zeitmanagement und welche Prioritäten gibt es im Lebensentwurf?

Die Antworten geben dann einen Hinweis darauf, wie sinnvoll eine offene Beziehung sein kann. Wenn schon der kleinste Anlass zum Eifersuchtsdrama führt, wird es sicher schwierig. Wenn die Öffnung der Beziehung diese reparieren soll, dann passen Problem und Lösung auch nicht gut zusammen.


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Wer sowieso schon einen vollen Tagesplan hat und dazu vielleicht noch berufliche Ambitionen, ist bei einem entspannenden Hobby auch besser aufgehoben, als bei einem Beziehungsexperiment. Im anderen Fall ist eine offene Beziehung aber durchaus eine Überlegung wert.

Eine Offene Beziehung richtig führen - Erfahrungen und Psychologie

#2: Wie kann ich wissen, ob eine offene Beziehung für mich genau das Richtige ist – oder ob ich einfach nur unter Bindungsangst leide?

Hinter der Annahme, dass eine offene Beziehung weniger Bindung erfordert, als eine klassische Beziehung, steckt ein Irrtum. Das merken „Betroffene“ auch recht schnell, wenn es ans Ausprobieren geht.

Denn im Kern ist auch eine offene Beziehung immer noch eine feste Beziehung, in der Vertrauen, Nähe und offene Kommunikation wichtig sind. Und streng genommen, ist es hier noch wichtiger, sich dem Partner verbunden zu fühlen. Denn ohne Verbundenheit haben Eifersucht und Verlustangst sehr viel Raum, um zerstörerisch zu wirken.

Anders herum formuliert: Eine offene Beziehung, in der ein paar Aspekte nicht so gut laufen, leidet darunter häufig noch mehr als eine klassische Beziehung sowieso schon.

#3: Braucht eine offene Beziehung Regeln?

Das hängt grundsätzlich von den beteiligten Personen ab.

Vor allem am Anfang hilft es oft, verschiedene Vereinbarungen zu treffen:

  • Wie werden Außer-Haus-Übernachtungen geregelt?
  • Gibt es Personen oder Personenkreise (Ex-Partner, Arbeitskollegen, beste Freunde), mit denen sexuelle Verbindungen tabu sein sollen?
  • Gibt es bestimmte sexuelle Praktiken, wie Anal-Sex, die nur innerhalb der Beziehung ausgelebt werden sollen?
  • Wie sieht es mit Verhütung aus?
  • Ist Sex tabu und es ist nur flirten, rummachen oder petting erlaubt?
  • In welcher Detailtiefe sollen zwischen den Partnern Gespräche über sexuelle Außenkontakte stattfinden – wenn überhaupt?

Natürlich können Regeln, wie etwa ein Veto-Recht bei der Wahl der Sexpartner, auch missbraucht werden. Wenn am Ende ein Regelkonstrukt entsteht, das es unmöglich macht, die offene Beziehung entspannt auszuleben, würde ich hinterfragen wollen, ob das Experiment überhaupt eine gute Idee ist.

#4: Wann ist der Wunsch nach einer offenen Beziehung nur eine Ausrede dafür, sich vor den schlechten Zeiten in einer Beziehung zu drücken?

Die Frage ist legitim, da man sich sowohl mit Sex als auch mit anderen Menschen hervorragend ablenken kann. Wann nun das Eine oder das Andere der Fall ist, muss im Einzelfall entschieden werden.

Ein Kriterium, um das zu entscheiden, ist das offene Gespräch. Wenn die Partner offen über aktuelle Probleme reden können, ist das ein positives Zeichen. Wenn das Gespräch von einem der beiden abgeblockt wird, ein negatives.

Sex mit anderen

Gerade in puncto Sexualität warten auf viele Paare noch einige Auseinandersetzungen. Wenn es in der langjährigen Beziehung im Bett mal routinierter wird, dann kann Sex mit anderen kurzfristig Spannung in die Sache bringen. Das eigentliche Problem, dass die Intimität der Partner vor einem notwendigen Entwicklungsschritt steht, wird dadurch aber nicht gelöst.

Ein höheres Maß an Intimität entsteht immer durch eine ehrliche Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten, Wünschen und Bedürfnissen. Wenn sich die Partner hier gegenseitig verletzlich zeigen und offen zueinander sind, läuft es oft auch im Bett wieder miteinander.

#5: Wie kann man in einer offenen Beziehung ehrlich zum Partner sein, ohne ihn zu verletzen?

Ganz einfach: Das Bedürfnis nach Ehrlichkeit vorab klären. Und sich dabei direkt auch darüber unterhalten, was der andere vermutlich als verletzend empfinden würde.

Aber egal wie offen sich das Paar vorher austauscht: Wer eine offene Beziehung noch nicht gewöhnt ist, kann seine Reaktion auf sexuelle Erlebnisse des Partners nur grob einschätzen – und sich natürlich irren.

Und generell halte ich eine Beziehung, in der sich die Partner gegenseitig nicht verletzen für unrealistisch. Wichtiger finde ich es in jeder Art von Beziehung, dass das Paar einen Weg findet, mit diesen Verletzungen umzugehen.

#6: Wie geht man damit um, wenn sich einer der Partner fremdverliebt?

Auch hier empfehle ich immer, davon auszugehen, dass das in einer langfristigen offenen Beziehung garantiert passieren wird. Daher hilft hier ebenfalls ein Austausch über dieses Thema.

Letztlich steckt hinter dieser Angst ein altes Denkmuster: Wenn ich mich in jemanden verliebe, muss ich auch eine Beziehung mit dieser Person anstreben.

Ich denke, dass Verliebtheit etwas Wunderbares ist. Aber definitiv kein zwingender Grund, eine Beziehung einzugehen. Es heißt ja auch, wahre Liebe lässt frei.

Zudem lenkt die Frage von der eigentlich wichtigen Überlegung ab:
Fremdverliebtheit hin oder her, wie steht man denn emotional zum Partner?

Verliebtheit klingt häufig auch schnell wieder ab. Eine tiefe Liebe und Verbundenheit trägt da meist deutlich weiter…

#7: Und was, wenn man sich auf das Experiment geeinigt hat, dann aber wieder zum klassischen Modell zurückkehren möchte?

Einem Experiment begegnet man aus meiner Sicht am besten mit einer klaren Strategie. Und eine Strategie sollte genau diese Möglichkeit bereits berücksichtigen.
Einfach gesagt: Auch hier hilft ein offenes Gespräch. Und während man noch dabei ist, sich auf das Experiment zu einigen, macht es Sinn, eine „Abbruch-Option“ einzubauen, wenn einer der Partner sich unwohl fühlt.

Auch nachträglich ist die Bitte legitim, doch wieder von der offenen Beziehung abzukehren. Und wenn die Beziehung an sich funktioniert, sollte das auch kein Problem sein. Wenn es zum Problem wird, hat das in der Regel Gründe, mit denen man sich dann individuell auseinandersetzen kann.

#8: Wie verhalte ich mich, wenn ich mal einem Sexpartner meines Liebsten begegnen?

Mein Vorschlag ist ganz einfach: Freundlich, neugierig und aufgeschlossen. Wer in einer offenen Beziehung lebt und die „Spielgefährten“ des Partners als Konkurrenten oder gar Feinde betrachtet, macht sich das Leben sehr schwer (Hier mehr zum Thema Konkurrenzdenken von Männer-Blogger Sven Phillip).

Auch hinter dieser Einstellung steckt oft ein altes Denkmuster. Nämlich, dass Sex oft etwas Schlechtes ist. Beispiele: Sex außerhalb einer Beziehung. Sex als Machtinstrument. Einseitiger Sex, und, und, und.

Ich plädiere für eine andere Sicht auf Sexualität: Sex hat sowohl ein bereicherndes, als auch ein traumatisierendes Potenzial. Auf das, was es letztlich wird, hat man meist einen sehr großen Einfluss.

#9: Wie macht man Menschen klar, dass es nicht das Gegenteil von fester Beziehung ist?

Vor allem Leute, die in einer offenen Beziehung leben und potenzielle Sexpartner kennenlernen, stellen häufig diese Frage. Außenstehende nehmen nämlich gerne an, dass die offene Beziehung eigentlich nur eine lockere Affäre ist. Oder dass die Beziehung sowieso so am Abgrund stehen muss, dass es bis zur Trennung nur noch eine Frage der Zeit ist.

Vor allem, wenn das Gegenüber sich dann Hoffnungen auf mehr macht, wird es problematisch. Und die meisten Menschen sorgen nun einmal nicht gerne für gebrochene Herzen.

Auch hier hilft es also letztlich, das Thema offen anzusprechen und explizit darauf hinzuweisen, dass man den eigenen Partner sehr liebt, sich diesem verbunden fühlt und die Partnerschaft als ernsthafte Beziehung betrachtet. Dazu gehört auch, im Zweifelsfall zu akzeptieren, wenn dadurch ein sexueller Kontakt verloren geht.

Generell helfen offene Gespräche

Nach diesen 9 Fragen ist dir vermutlich aufgefallen, dass ich sehr oft ein offenes Gespräch vorgeschlagen habe. Davon profitiert fast jede Beziehung, aber wer Neuland betritt, dem hilft der Austausch umso mehr.

Ich hoffe natürlich, dass ich auch deine Fragen zum Thema offene Beziehung bis hierhin beantworten konnte. Falls nicht, schreibe mir gerne einen Kommentar oder lies direkt noch diesen Artikel.

Wenn du für dich herausfinden möchtest, ob eine offene Beziehung etwas für dich sein könnte (oder wenn du einfach nur neugierig bist), dann empfehle ich dir auch gerne mein Buch zum Thema, das du auf Amazon oder in jeder Buchhandlung erwerben kannst.

Bis dahin wünsche ich dir alles Liebe,
dein Nils

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Horst Wenzel

Ist als Coach für die Partnersuche aktiv und tritt regelmäßig als Speaker auf Firmenevents auf Wurde am 5.12.1988 in Dortmund geboren und leitet seit 2012 die Flirt University Hatte schon Berichterstattungen von RTL bis zur New York Times, sein YouTube Kanal zählt 2.5 Millionen Aufrufe Horst Wenzel, wohnt in Köln und bloggt mit seinem Team täglich über das Dating, das Kennenlernen und die Liebe.

1 Kommentar

Boris Kell · 9. März 2017 um 18:07

Hallo jeder denke ich sollte sich über die richtige Strategie machen..genau wie du es in deinem Beitrag geschrieben hast ich finde das Thema persönlich sehr interessant…Danke
MfG
Boris

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