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Die Patchworkfamilie

Die Patchworkfamilie ist eine ganz besondere Form der Familie. Die zusammengewürfelte Familie kann die ein oder andere Herausforderung für alle Beteiligten bereithalten. Denn unkompliziert ist das Ganze nicht. Das Familienkonzept ist heutzutage keine Seltenheit mehr und spiegelt die moderne Hoffnung für einen Neustart in einer neuen und hoffentlich glücklichen Familie wider.

Patchwork

Was ist eine Patchworkfamilie?

Die Patchworkfamilie setzt sich aus zwei Partnern zusammen, die davor schon mal eine Familie hatten. Aus diesem Grund bringt auch jeder seine eigenen Kinder mit in die Beziehung. Somit entsteht eine bunt zusammengewürfelte Familie, die quasi aus der Hälfte von zwei Beziehungen besteht und zu einer zusammengeführten Einheit wird. Die Hoffnung auf eine neue funktionierende Beziehung ist da, obwohl die Erfahrung einer zuvor gescheiterten Familie präsent ist.


Die Patchworkfamilie ist ein ziemlich modernes Phänomen, trotzdem wissen wir nicht allzu viel darüber Bescheid. Viele Menschen scheinen dieses Thema zu tabuisieren und blicken als Außenstehende auf dieses Thema mit einer Mischung aus Bewunderung und Verwunderung. „Das kann klappen, zwei verschiedene Partner mit Kindern in einen Topf zu schmeißen und eine neue Familie draus zu machen?“, fragt man sich vielleicht. Doch wenn die eine Familie zerstört ist, kann man sein Glück mit einer anderen Familie finden.

Es gibt sehr viele Patchworkfamilien, bei denen das Konzept prima funktioniert hat. Im Gegensatz dazu gibt es sicherlich auch einige Gegenbeispiele. Denn alle, vor allem die Kinder, glücklich zu machen, erscheint eine riesen Herausforderung zu sein. Immerhin bekommen diese ein „neues“ Elternteil. Alles ist neu und fremd. Und die anderen Geschwister können ebenso eine große Hürde sein.

Unter Geschwistern geht es ja sowieso manchmal nicht so harmonisch zu. Sind die Geschwister neu, man muss mit ihnen zusammenwohnen, man teilt die Eltern und man versteht sich nicht gut untereinander, kann dies sehr schnell zu einer großen Belastung für die Kinder werden.

Kinder als das wichtigste Entscheidungskriterium

Das wichtigste Entscheidungskriterium für dich und deine neue Familie müssen immer deine Kinder sein. Deine Kinder stehen an erster Stelle und legen dir die Weichen für deine weiteren Wege. Es ist klar, dass wir auch an uns denken müssen, um wieder glücklich zu werden. Doch darfst du niemals das Wohl und die Wünsche deiner Kinder ignorieren. Ansonsten kann das Ganze sehr schnell entgleisen.

Deine getroffenen Entscheidungen bezüglich der Patchworkfamilie müssen dich selbst zu 100% überzeugen und gut durchdacht werden. Wenn du dir sicher bist, dass du diesen Schritt gehen möchtest, darfst du dies nicht einfach tun. Denn ohne deine Kinder, welche deine wichtigste Familie auf der ganzen Welt ist, kannst du diese Schritte nicht gehen. Nehme somit Rücksicht auf sie.

Vor allem nach Trennungen oder Scheidungen brauchen Kinder Zeit, um über das Geschehene hinwegzukommen. Sie müssen verarbeiten und ein neuer Partner von Mama oder Papa ist hierbei eigentlich immer ein Dorn im Auge. Übertreibe es also nicht mit deinen neuen Planungen und gebe deinen Kindern die Zeit, die sie brauchen.

Als alleinerziehende Mama oder alleinerziehender Papa ist es sicher nicht einfach. Man ist überfordert, da man alles alleine machen muss. Doch die Kinder zu überrumpeln ist definitiv keine Lösung für dein Problem. Wende dich in diesem Falle lieber an deine Familie oder Freunde. Denn Kinder kennen diese Bezugspersonen und vertrauen ihnen.

Auch die kleinsten der Familie müssen zunächst Vertrauen aufbauen, um sich wohl zu fühlen. Du kennst deinen neuen Partner sicher schon besser als die Kinder selbst. Versetze dich in ihre Lage und nimm Rücksicht. Denn deine Kinder sollten das wichtigste Entscheidungskriterium für dich sein.

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Wann kann ich meinen Kindern einen neuen Partner vorstellen?

Wie bereits erwähnt, solltest du besser langsamer an die Sache rangehen. Die Umgewöhnung der Kinder, und das bedeutet, dass du mit ihnen alleine bist, stellt schon mal eine große Herausforderung dar. Alles ist neu und irgendwie komisch. Denn Papa oder Mama fehlen an deiner Seite. Die Familie ist zerbrochen.

Du kannst es nicht verantworten direkt nach der Trennung bzw. Scheidung jemand anderen mit nach Hause zu nehmen. Du kannst einfach nicht erwarten, dass sich deine Kinder darüber freuen werden. Trefft euch also zunächst außerhalb und sprich mit ihm/ihr über deine Sorgen und Ängste bezüglich der Kinder.

Kommt es dann letztendlich tatsächlich zu einem Treffen, nachdem genug Zeit vergangen ist, solltest du davor dringend mit deinen Kindern darüber sprechen. Kläre sie über alles auf und sage ihnen auch klar und deutlich, dass er oder sie ebenso Kinder hat. Hierbei sollte nicht sofort der Begriff „neue Geschwister“ fallen, doch ist es nur fair deine Kinder komplett aufzuklären.

Es ist eine gute Idee deine Kinder an den anderen Partner langsam heranzuführen und dies zunächst ohne seine oder ihre Kinder. Gebe ihnen die Möglichkeit Fragen zu stellen und deinen neuen Partner kennenzulernen.

Vielleicht freuen sich deine Kinder ja auch über diese neue Erfahrung und im besten Falle mögen sie den neuen Menschen in deinem Leben auch schon ganz bald. Falls dies nicht der Fall sein sollte, gebe ihnen auch hier wieder genügend Zeit.

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Der Kontakt zum anderen Elternteil

Für Kinder ist es sehr wichtig den Kontakt zu beiden Elternteilen zu erhalten. Nachdem eine Familie zerbrochen ist, sind sicher viele Dinge vorgefallen. Diese schlimmen Erfahrungen darfst du jedoch nicht auf deine Kinder projizieren. Denn diese haben damit rein gar nichts zu tun. Verbiete ihnen somit nicht den Kontakt zu dem anderen Elternteil. Egal was zwischen euch passiert ist… du darfst dein Kind dafür nicht bestrafen. Und dieses vor allem nicht mit in den Konflikt mit einbeziehen.

Manche Menschen denken, dass der Kontakt zum anderen Elternteil die positive Entwicklung einer Patchworkfamilie stören kann. Das ist völliger Unsinn. Denn wenn dein Kind unglücklich ist und keine Zeit mit ihm oder ihr verbringen kann, wird sich dies alles negativ auf das Zusammenleben mit der neuen Familie auswirken. Hierbei ist also das genaue Gegenteil zu verzeichnen.

Ab wann kann man zusammenziehen?

Haben deine Kinder deinen Partner akzeptiert und kennen nun auch seine bzw. ihre Kinder, sind dies schon mal sehr gute Voraussetzungen für eine Patchworkfamilie. Und hattet ihr alle viel Zeit gemeinsame Erinnerungen aufzubauen und euch intensiver kennenzulernen, schweißt euch das alle enger zusammen.

Der Moment, in dem ihr zusammenziehen könnt, rückt in euren Gedanken immer weiter in den Vordergrund. Doch auch hier Vorsicht! Überstürzt bloß nichts.

Ein guter Anfang ist ein Urlaub mit allen gemeinsam. Hierbei könnt ihr beobachten, wie das Zusammenleben so funktioniert. Mietet eine Ferienwohnung und unternehmt spannende Dinge, die vor allem eure Kinder begeistern können. Ihr werdet schnell merken, ob ihr alle zusammen eine gute Familie sein würdet. Sicher kann man die Urlaubssituation nicht mit einer Situation aus dem Alltag vergleichen. Doch gewisse Parallelen sind vorhanden.

Wenn ihr das Zusammenziehen fest vorhabt und dies auch schon mit euren Kindern besprochen habt, gilt es den Umzug gut zu planen und vorzubereiten. Denn ein großer Umzug bedeutet auch eine intensive Vorbereitung.

Das Wichtigste ist im Endeffekt, dass die Kinder nicht ins kalte Wasser geschmissen werden. Weiht sie in alles ein und entscheidet nichts über deren Kopf hinweg.

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Was tun, wenn das Familienkonzept nicht aufgeht?

Falls das Familienkonzept nicht aufgehen sollte und eure Kinder klar kommuniziert haben, dass sie mit der ganzen Situation nicht zufrieden sind, solltet ihr dringend auf die Bremse treten. Denn das Zusammenziehen kann in dieser Form eh zunächst mal gestrichen werden. Und falls ihr bereits zusammengezogen seid, müssen die richtigen Konsequenzen daraus gezogen werden.

Es ist leider nicht einfach die Familie zusammenzuführen und jeden mit der Situation glücklich zu machen. Patchworkfamilien sind eine wirkliche Herausforderung. Und wenn es nicht funktionieren sollte, ist dies auch keine Schande. Denn das Familienkonzept lebt von Kompromissen. Und Kompromisse, in die Kinder involviert sind, machen es doppelt und dreifach kompliziert.

Wenn die Kinder den Stiefvater oder die Stiefmutter nicht mögen

Es kann leider passieren, dass die Kinder mit dem neuen „Papa“ oder der neuen „Mama“ nicht gut zurechtkommen. Es ist sehr schwer für Kinder jemand Neues in das eigene Leben aufzunehmen. Vor allem wenn sie das Gefühl haben, dass der eigene biologische Vater oder die eigene Mutter ersetzt werden soll. Das verletzt und lässt den Kindern oftmals keine andere Wahl, als sich querzustellen.

Denn sie können es nicht akzeptieren, wenn Mama oder Papa glücklich mit dem neuen Partner Händchen hält, während sie die Welt nicht mehr verstehen. Hinzu kommt auch noch, dass sie ihr Bild von der alten Familie hinter sich lassen müssen. Diese gibt es nämlich jetzt nicht mehr. Und das zu realisieren kann eine riesen Herausforderung sein. Zumal es in der damaligen Familienkonstellation ganz eigene Routinen, Erinnerungen und prägende Momente gab.

Generell gilt, dass die Gefühle und Meinungen deiner Kinder ernst genommen werden müssen. Nimm sie also zu 100% ernst und tue die Gedanken nicht als kindisches Getue ab. Kinder haben genau so Gefühle, wie sie eben auch Erwachsene haben. Und die Kindheitsphase ist für uns eine sehr prägende Zeit, in der uns die Grundsteine für unsere Zukunft und somit auch für das weitere Leben gelegt werden.

Es kann natürlich auch passieren, dass sich der neue Partner nicht gut benimmt und dein Kind nicht angemessen annehmen möchte. Hierbei sollte dir selbstverständlich nur ein Ausweg bewusst sein. Denn akzeptiert dein neuer Partner das Kind nicht, musst du schnell den Schlussstrich ziehen. Ansonsten kann es zu weitreichenden Folgen kommen. Und vor allem dein Kind wird unter dieser schweren Zeit sehr leiden.

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Manchmal kann auch eine Art Gespräch mit dem Kind neue Blickwinkel für dich eröffnen. Kommunikation ist sowieso das A und O. Sprich mit deinem Kind über die Probleme und schaue, ob du mögliche Auswege bzw. Kompromisse findest. Was stört dein Kind? Warum ist es unglücklich?

Du solltest dir allerdings bewusst machen, dass solche Fragen niemals rational, also ohne jegliche Gefühle, beantwortet werden können. Du musst somit stets die Situation vor Augen haben. Dein Kind hat eure alte Familie verloren und ist nicht in der Lage diese stürmischen Gedanken auf einen Nenner zu bringen.

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass ihr alle gemeinsam als ersten Schritt die Probleme untersuchen solltet. Klärt, woher sie kommen und wieso sie existieren. Ein klärendes Gespräch ist hierbei immer eine gute Lösung. Sprich zunächst alleine mit deinem Kind und hole dann, wenn alle damit einverstanden sind, noch deinen neuen Partner mit hinzu.

Habt ihr euch ausgesprochen und Verbesserungsvorschläge gemacht, gilt es eine Verbesserung abzuwarten. Stellt sich der Partner von Anfang an quer und möchte nicht kooperativ an einer Besserung arbeiten, musst du dich entscheiden. Erkenne auch hierbei immer dein Kind als Entscheidungspriorität Nummer 1 an.

Und falls der neue Partner selbst keine Kinder hat und noch Zeit braucht, um den Umgang mit diesen zu erlernen, dann gib ihm oder ihr auf jeden Fall diese Zeit. Denn Kindererziehung und alleine schon der Umgang, können eine sehr große Herausforderung sein.

Bist du also selbst die Stiefmutter oder der Stiefvater, solltest du dich nicht zu sehr fertig machen, wenn dich das Kind deines Partners nicht auf Anhieb mag. Wie du nun bemerkt haben solltest, brauchen manche Kinder länger und wieder andere nicht so viel Zeit, um mit fremden Menschen warm zu werden. Außerdem können sie in dieser Situation nicht rational und vor allem erwachsen handeln. Sie sind oftmals noch verletzt und stecken in einer schwierigen Phase.

Hierbei ist zu beachten, dass du dich nicht zu sehr anstrengst und somit zu bemüht rüberkommst. Das finden Kinder nämlich oftmals unangenehm. Somit kann sich die gesamte Situation schnell weiter verschlimmern. Knie dich nicht zu sehr darein und bleibe immer du selbst. Macht dir das Kind das Leben dann immer noch schwer, kannst du dir sicher sein, dass dies sehr wahrscheinlich nicht persönlich an dir liegt.

Du musst keine Über-Mama oder ein Über-Vater sein, um vom neuen Kind akzeptiert zu werden. Setze dich nicht zu sehr unter Druck und gib dir selbst die Zeit, die du brauchst. Sprich vor allem mit deinem Partner über diese Sorgen und Ängste. Denn von nun an ist dies euer gemeinsames „Problem“ als Patchworkfamilie.

Wenn die Kinder miteinander nicht zurechtkommen

Geschwister streiten sich, das ist ein Gesetz der Natur. Doch regelrechte Abneigung oder heftige Streitereien, die einfach kein Ende finden, sind keine Dauerlösung. Stiefgeschwister müssen sich nicht abgöttisch lieben und mögen, auch wenn dies der Idealfall wäre. Es reicht, wenn sie miteinander auskommen und sich das Leben nicht gegenseitig zur Hölle machen.

Leider kann dieser Fall allerdings eintreten. Und falls es dann so eintreffen sollte, darf die gegenseitige Abneigung nicht als „normaler Geschwisterstreit“ abgetan werden.

War ein Kind zuvor Einzelkind und hatte nie Geschwister, muss es sich zunächst an das neue Familienkonzept mit neuer Schwester oder neuem Bruder gewöhnen. Vor dieser Zeit stand das Einzelkind womöglich sehr häufig im Mittelpunkt und kennt es noch nicht so gut, wie man mit Geschwistern umgeht oder inwiefern sich das Leben mit diesen verändert.

Generell kann es passieren, dass Geschwister negative Gefühle gegeneinander hegen. Dies resultiert dann schnell aus einer Bevorzugung. Wird das eine Geschwisterkind beispielsweise immer gelobt und bevorzugt behandelt, kann sich das andere Kind schnell vernachlässigt fühlen. Somit entsteht letztendlich Neid unter den Geschwistern.

Sollte dir diese Situation bekannt vorkommen, musst du dringend in dieses unfaire Verhältnis einschreiten. Denn dieses Konkurrenzdenken kann die Familie schnell zusammenbrechen lassen.

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Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Patchworkfamilien eine tolle Idee sind, in der Realität jedoch viel Arbeit bedeuten. Ein bedeutender Faktor für dieses Familienkonzept ist auch immer die Vergangenheit der „alten“ Familie. Hauptsächlich geht es nämlich darum, dass die Trauerphase des Kindes abgeschlossen sein sollte, bevor du einen Neustart mit einem anderen Partner plus Kind wagst. Die Zeit nach der Trennung sollte bereits vorangeschritten sein, um Konflikte in der Patchworkfamilie zu vermeiden.

Außerdem kann es zu Konflikten zwischen den neuen Geschwistern oder den Kindern und dem „neuen“ Elternteil kommen. In beiden Fällen solltet ihr alle gemeinsam darüber reden, um solche Probleme aus dem Weg zu schaffen.

Das Wichtigste bei der ganzen Sache ist, dass dein Kind deine Entscheidungspriorität Nummer 1 sein muss. Egal ob es um die neuen Stiefeltern geht oder um die Stiefgeschwister. Höre dir immer alle Seiten an und gib allen Beteiligten genügend Zeit.

Die Patchworkfamilie bedeutet also viel Arbeit. Doch wenn die gesamte Familie zusammen anpackt und sich Mühe gibt, steht dem neuen Familienglück nichts mehr im Wege. Außerdem gibt es auch genug Fälle, bei denen diese Art des Familienkonzepts funktioniert haben.

 

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